Aus der Einsamkeit der Küste ins Schloss der Träume

Wir tuckern langsam weiter gegen Süden, erleben wieder dramatische Küsten und enden tatsächlich in einem echten Schloss.

- Tag 13 -

Milepost 751 – Beim Frühstück haben wir eine nette Unterhaltung mit einem Paar und einem älteren Herrn. Sie sind in der Gegend, um in ihren Ferien Gälisch zu lernen. Der ältere Herr macht das schon seit 15 Jahren ... Wir verabschieden uns von unserem Gastgeber, dem es überhaupt nicht recht war, dass wir nicht so gut schlafen konnten (die Matratze sei doch erst 1 Jahr alt, wers glaubt…).

Milepost 752 – Stopp bei einem Mini Ballenberg. Mal ein bisschen Kultur reinziehen. Es regnet leicht, das passt also ganz gut  - Timing ist doch alles. Hier draussen in Glencolmcille herrschte bis vor 50 Jahre tiefste Armut und ein sehr einfaches Leben in Hütten ohne Elektrizität und fliessendes Wasser. Ein Pfarrer hatte sich für das Dorf eingesetzt und aktive Entwicklungshilfe gemacht (Gemeinschafthaus gebaut, Elektrizität und fliessendes Wasser eingeführt und den Bauern beigebracht zusammen zu arbeiten) – er starb 1987 und ist jetzt so eine Art Dorfheiliger der scheinbar in ganz Irland bekannt ist. Heute ist hier zwar ausser einfachem Tourismus und Schafen immer noch nix los, aber immerhin. Die Differenz zum Leben in Dublin könnte aber nicht grösser sein. Wahnsinn.

Milepost 753 – Stopp bei einem keltischen Standing Stone bei der Kirche. Nice. Kelten und Katholiken vereint und das mit der mystischen Nebel-/Regen-Dekoration.

Milepost 757 – Stopp bei einem weiteren keltischen Standing Stone. Bea bleibt im Auto, ich klettere wieder mal über einen Stacheldrahtzaun. Der Stein ist überschaubar spannend. Naja, der Wille zählt.

Milepost 764 – Stopp bei einem keltischen Langgrab irgendwo in der Pampa auf einem Feld. Macht schon eher was her, hat immerhin einen Fusspfad dorthin und wir müssen mal nicht über Zäune klettern.

Milepost 777 – Nach gefühlten 10‘000 einspurigen Kurven erreichen wir die Slieve Leagues, die höchsten Klippen Irlands. Der Tipp eines französisch/schweizerischen Paar in Ardara entpuppt sich als Gold wert. Während alle (auch Tourbusse) beim ersten Parkplatz parkieren und Völkerscharen hochlaufen, öffnen wir frech das Gatter und fahren hindurch. Hoch kurven wir unter den stummen, vorwurfsvollen Blicken der Strassenwanderer. Es gibt nämlich einen zweiten Parkplatz weiter oben, ätsch. So ersparen wir uns die 30 Minuten Wanderung der Strasse entlang und sind schneller oben. Hier bläst der Sturm über den Klippenrand, weit unten tobt das Meer und zwischendurch beleuchtet die Sonne wie ein Scheinwerfer einzelne Flecken der Szenerie. Wir kämpfen uns gegen den Sturm den Fussweg entlang der Klippen vorwärts (Bea muss mich zwischendurch vom Klippenrand zurückpfeifen) und versuchen trotz den Böen ein paar Fotos zu machen. Ist sicher alles verwackelt … aber grandios!

Milepost 786 – wir erreichen das B&B Ocean Spray. Nomen est omen. Das B&B liegt tatsächlich auf einer Halbinsel. Links Sonnenaufgang über dem Meer, rechts Sonnenuntergang über dem Meer (ausser er hat Wolken). Hammer.

Milepost 792 – Wir fahren nach Killybegs zum Dinner. Unterwegs überall Stofftiere an Gartenzäunen und Strassenlaternen. In Killybegs dann eine beachtliche Flotte Motorräder. Hatte bisher noch nie eine Harley mit einem draufgebundenen Plüschtier gesehen … was das Ganze wohl soll. Seafood Dinner im The Fleet Inn in Killybeg. Mampf. Lecker. Mehr.

Milepost 798 – Zurück. Wir fahren noch 500m am B&B vorbei an den Muckros Point und erleben eine wunderbare Abendstimmung. Riesige Wellen werfen sich an die schwarz, zerklüfteten Felsen. Solche Felsenformation haben wir noch nie gesehen. Sie sind längs durchfurcht und geschichtet wie Schiefer und oben teils glatt, teils mit kleinen Löcher (winzige Mühlen) drinn. Faszinierend. Der Himmel über den Slieve League Klippen leuchtet rot. Seufz. Good Night.

- Tag 14 -

Milepost 798 – Irish Breakfast. Mampf. Die Gastgeberin erklärt uns noch das mit den Stofftieren. Offenbar ist vor 26 Jahren eine 18-jährige an Leukämie gestorben und seither findet jedes Jahr ein Fund-Raising Motorrad-Treffen statt – zu Beginn 6 Bikes, heute ein paar 100 aus allen Ländern! Respect. Der Erlös geht dann an das nächstgelegene Krankenhaus, damit sie wieder einmal neue Apparate kaufen können, so ist das in Irland. Wenn du ein Kind kriegst, fährst du bei der ersten Wehe los, da die Fahrt eineinhalb Stunden dauert, nicht so wie bei uns in der letzten Minute.

Milepost 799 – Wir fahren wie am Vorabend noch einmal die 500m runter zum Muckros Point (das Ende der Halbinsel), nochmals Felsen und Wellen geniessen und Bea und ich knipsen gefühlt jede Welle. Episch.

Milepost 817 – Weiter geht’s Richtung Donegal. Doch vorher wollen wir noch zu einem Leuchtturm hinaus zum St. Johns Point. Einspurig, what else. Parkplatz hat’s keinen, dafür Kühe, die gestresst von den Autos aufgeschreckt hin und her rennen. Also Auto neben die Strasse ins Feld parkiert, nachdem der Bauer seinen 4x4 mit Anhänger gewendet hat und verschwunden ist. Der Leuchtturm ist privat. Gemäss dem Bauern ist niemand da. Also über’s Gatter klettern und hinein. Cooles Ding, aber nicht sooo toll. Wir laufen noch ein bisschen die Küste entlang hinaus zur Spitze der Halbinsel. Wieder schwarze Felsen, blaues Meer und weisse Brandung. Weit draussen flitzen als Dekoration noch Delphine durch. Showtime. Thanks.

Milepost 834 – Wir halten beim Donegal Castle. Sightseeing. Auf der Tour erfahren wir vom 9-Year-War zwischen Iren und Engländern, den die Iren verloren. Die Engländer gaben damals Ländereien in Nordirland an (protestantische) schottische und englische Bauern und sähten den Nordirland-Konflikt. Wala, wieder was gelernt. Wir feiern den Wissenszuwachs mit einer sehr leckeren Seafood Chowder vis-à-vis im Castle Restaurant!

Milepost 838 – Wir fahren zum Lough Eske Castle, wo wir heute übernachten (Überraschung für Bea, die schon immer mal in einem Castle übernachten wollte). Bea: Holger hat mich echt mit der Castelovernight überrascht. Am Empfang wird uns ein Buttler gestellt. Während Holger das Auto auf den ‚nearer Parkingspace to the Room‘ manövriert, führt mich der nette Herr durch Gänge zum Zimmer und plaudert mit mir. Habe ihm von der Küste vorgeschwärmt und erwähnte den Fanad Head (den ersten Leuchtturm, in dem wir drin waren). Er war sofort Feuer und Flamme, da er diesen vor einer Woche das erste mal besucht habe und begeistert von der Geschichte sei. Wenn man hier lebt, kommt man wohl nicht viel herum?! Endlich kam Holger angefahren und der ältere Buttler schleppte die schweren Koffer ein Stockwerk die Treppen zu unserem Zimmer hoch (er wollte sich partout nicht helfen lassen). Das Zimmer ist herrlich, etwa so gross wie unser Wohnzimmer und das Bad ist gigantisch. Für das Abendessen waren wir kleidermässig nicht für ein 5*-Castle gerüstet, so mussten wir mit dem auskommen, was unsere Garderobe (nach fast 14 Tagen) noch zu bieten hatte. Doch scheinbar sind wir nicht die Einzigen im „Cashual“ Look. Endlich am Tisch lassen wir uns mal so richtig verwöhnen! Das Abendessen war phänomenal. Selten so gut gegessen!! Wir platzen!!

Blog Canada 2018

Die grüne Insel ... grün? nein auch weisse Strände, graue Klippen und dunkles Guinness :-)

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Ruhiger Flug ... danach wird's Irisch. Belfast eine City, naja.

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Wir verlassen Belfast und kurven entlang der Küste in Richtung einsamer Norden. Dort erwarten uns aber einige Touristen-Hotspots bevor wir dann die...

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Wir suchen das Extreme ... extrem kurvig, extrem schmal, extrem an der Küste, extrem windig, extrem lecker ... und Star Wars!

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Fanad Head, Horn Head, Nationalpark und tote Boote ... spannende Gespräche mit Locals ... und Kurven, viele Kurven

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Ein totes Boot liegt am Strand, ein riesiger Felsenbogen steht im Meer, keltische Gräber sind verlassen, Wasser fällt, Schafe mähen.

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Wir tuckern langsam weiter gegen Süden, erleben wieder dramatische Küsten und enden tatsächlich in einem echten Schloss.

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Die lange Reise geht langsam zu Ende. Wir geniessen letzte Küsten und Strände, ein letztes Mal den frischen Fisch, erforschen Keltenkultur und...

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